Die österreichische Interessenvertretung Austrian Mobile Power (AMP) hat sich zusammengeschlossen, um Elektromobilität auf die Straße zu bringen. Die als Verein organisierte Plattform hat inzwischen 20 Mitglieder, darunter immer mehr österreichische Großkonzerne wie die A1 Telekom Austria. Bei den diesjährigen Alpbacher Wirtschaftsgesprächen machten die Vertreter der AMP deutlich, dass sie bis 2020 mit rund 200.000 Elektrofahrzeugen auf Österreichs Straßen rechnen. “Damit dies überhaupt möglich ist, muss Abe roch sehr viel geschehen”, so Wolfgang Pell vom Verbund.
“Elektromobilität Made in Austria hat Zukunft”, so die österreichische Infrastrukturministerin Doris Bures bei der Präsentation des Nationalen Einführungsplans Elektromobilität in Wien. In diesem Plan sind klare Zielsetzungen für die Einführung von eMobilität in Österreich formuliert. Konkret geht es darum, eMobilität in Österreich marktfähig zu machen. “Elektromobilität ist ein Umwelt-, ein Verkehrs-, ein Technologie- und ein Energiethema, insgesamt ein ganz zentrales Zukunftsthema und wir stellen heute gemeinsam die Weichen, um die Nase in diesem Bereich vorn zu haben”, so Bures. Drei konkrete Bereiche sind im Einführungsplan definiert: Maßnahmen in Forschung und Entwicklung, die Errichtung und Finanzierung der notwendigen Infrastruktur sowie die Verkehrsplanung. Ziel ist es, im Automobilbereich und in der Zulieferindustrie eine Vorreiterrolle einzunehmen. Das österreichische Verkehrsministerium unterstützt Forschung, Entwicklung und Produktion in diesen Bereichen und hat die Mittel dafür, wie auch schon 2009, um 50 Prozent erhöht – von 40 auf 60 Millionen Euro. Zwei Drittel davon werden in die Forschung an alternativen Antriebssystemen investiert. Bis 2020 sollen 900.000 Hybridfahrzeuge und 130.000-150.000 Elektroautos auf Österreichs Straßen fahren, also ein Viertel der 4,3 Millionen zugelassenen Fahrzeuge. “So wird der CO2-Ausstoß um sieben Prozent reduziert”, so Bures, die Grund zum Optimismus hat: ”Die Zusammenarbeit zwischen Industrie, Forschung, Entwicklung und Politik in Österreich funktioniert gut – die Voraussetzung für Erfolg.” Die vom Verbund koordinierte Plattform Austrian Mobile Power etwa verbindet bereits wichtige Partner in Forschung und Produktion. Ein wichtiges Projekt ist emporA, das zum Ziel hat, Leuchtturmprojekte in der eMobilität zu fördern.
Die österreichische CleanTech-Branche hat zeitnah u.a. auf die Erhöhung der öffentlichen Fördersummen für konventionelle und alternative Technologien im Automotivbereich um 50 Prozent reagiert und eine “überregionale Initiative für Elektromobilität” gegründet. Der Verbund startete gemeinsam mit Siemens Österreich, Magna, KTM, AVL und dem AIT (Austrian Institute of Technology) eine Plattform namens Austrian Mobile Power. Ziel der Kooperation ist es, Österreich ins Zeitalter der Elektromobilität zu führen. Dies soll in mehreren konkreten Schritten umgesetzt werden. Bis Jahresende sind der Abschluss verbindlicher Verträge sowie die Vorbereitung der Pilotphase vorgesehen. Diese beginnt 2010 mit einer Testflotte von 100 Elektrofahrzeugen in mindestens einem noch auszuwählenden städtischen Ballungsraum. In diesem sollen dann bis 2012 bis zu 1.000 E-Kfz unterwegs sein. Parallel dazu soll Schritt für Schritt die zugehörige Infrastruktur eingerichtet werden, vor allem die Stromtankstellen und Abrechnungssysteme, etwa via Mobilfunk.
Spätestens ab 2013 soll die “Rollout-Phase” starten, in welcher zunächst bis zu 10.000 Fahrzeuge in der Modellregion angestrebt werden. Dann ist eine sukzessive Steigerung auf 100.000 E-Fahrzeuge bis 2020 vorgesehen. Die von “Austrian Mobile Power” angestrebten 100.000 E-Autos benötigen jährlich 200 Mio. kWh Strom. Diese Menge wird allein der Verbund zusätzlich aus heimischer erneuerbarer Energie gewinnen, und zwar durch neue Wasserkraftwerke bzw. Erweiterung oder Erneuerung von bestehenden Anlagen. Bis 2015 errichtet bzw. plant der Verbund neue Wasserkraftwerke in Österreich, mit denen jährlich zusätzlich fast 900 Mio. kWh Strom erzeugbar sind. Dazu kommen 100 Mio. kWh, die der Verbund zusätzlich in den kommenden Jahren aus heimischer Windkraft gewinnen will. Somit könnte allein der Verbund im Jahr 2015 eine Mehrerzeugung an Strom aus heimischen erneuerbaren Energiequellen von 1 Mrd. kWh anbieten – damit können 500.000 Elektro-Autos in Österreich betrieben werden. Einer groben Kalkulation zufolge belaufen sich die Investitionskosten auf 5 Mrd. Euro; davon entfallen allein 4 Mrd. auf die Fahrzeuge, 200 Mio. auf Infrastruktur, 400 Mio. auf die Stromerzeugung sowie je 50 Mio. auf die erwähnten Entwicklungskosten und die Betriebskosten der Infrastruktur.